05.12.2025

Was ändert sich für Hotels bei der Online-Suche?

Interview mit der KI-Expertin Manuela Machner

Am 8. Mai 2025 sagte Sam Altman vor dem Handelsausschuss des US-Senats: „I don't do Google searches anymore.“ (Quelle)

Diese Aussage markiert einen Wendepunkt: Klassische Suchmaschinen verlieren an Bedeutung, KI-Systeme wie Google-AI-Mode & ChatGPT übernehmen zunehmend die Rolle des digitalen Wegweisers. Für Hotels, Gastronomiebetriebe und Tourismusregionen stellt sich damit eine zentrale Frage: Wie erreicht man seine Gäste, wenn diese nicht mehr klassisch googeln, sondern stattdessen mit einer KI sprechen?

Im folgenden Interview erklärt Expertin Manuela Machner, die auf 20 Jahre Erfahrung im Tourismus und 10 Jahre in der IT-Branche zurückblickt, wie sich Sichtbarkeit verändert, wie eine Website für die KI relevant wird und warum es nicht mehr reicht, nur auf Suchmaschinenoptimierung zu setzen

„Ich google nur noch, um zu sehen, wie Google reagiert“

 

Frage: Viele Menschen googeln heute weniger. Wie sieht das bei Ihnen aus?


Manuela Machner: Ich google im klassischen Sinn eigentlich nur noch, um zu prüfen, wie Google unsere Inhalte darstellt. Für schnelle Antworten nutze ich ChatGPT, Google AI Mode, Perplexity oder andere KI‑Tools. Sie liefern mir präzise Informationen ohne zehn Tabs und ohne Werbung. Genau darin liegt die Zukunft der Suche: Sie wird zum Dialog mit der KI.

Frage: Wie wirkt sich das auf Hotels, Restaurants und Tourismusregionen aus?

Manuela Machner: Die Spielregeln ändern sich radikal. Früher optimierten wir unsere Websites und Anzeigen, um bei Google ganz oben zu stehen. Heute entscheidenKI-Systeme darüber, welche Informationen der Nutzer erhält. Diese sammeln Informationen nicht mehr nur von Webseiten, sondern auch aus Foren, Buchungsportalen, Bewertungsseiten und sozialen Medien. Wer dort nicht mit wertvollen Content präsent ist, verschwindet aus der Wahrnehmung.

Frage: Wie finden Unternehmen überhaupt heraus, ob sie für KI-Systeme ausreichend sichtbar sind?

Manuela Machner: Um zu wissen, ob und wie Unternehmen in KI-Antworten auftauchen, ist eine Sichtbarkeitsanalyse ein wichtiger erster Schritt. Eine solche Analyse kann unter anderem mittels einer Deep-Research-Abfrage bei ChatGPT und mit Gemini erfolgen. Dadurch wird deutlich, welcher Quellen sich die KI bedient. Mit dieser Erkenntnis kann dann gezielt verbessert werden, was ChatGPT & Co weitergeben.
 

Wenn KI entscheidet, müssen Inhalte anders aussehen

Frage: Kann eine KI die klassische Google‑Suche wirklich ersetzen?

Manuela: Ja, das ist heute schon Realität. Die Fragen und Empfehlungen werden dadurch komplexer. So tippte zum Beispiel früher jemand „Gasthof mit Terrasse in der Südsteiermark“ bei Google ein. Heute formulieren Menschen „Ich suche ein familienfreundliches Wirtshaus mit Terrasse und regionaler Küche, wo die Kinder spielen können“. Die KI versteht solche natürlichen Fragen und liefert direkt eine Antwort, ohne dass die Suchenden dafür zehn Webseiten anklicken müssen. Das bedeutet aber auch, dass dieser Inhalt auch online über den Betrieb gefunden werden muss.

Frage: Bedeutet das auch, dass klassische Keywords an Bedeutung verlieren?

Manuela Machner: Ja, definitiv. Früher kam es darauf an, möglichst exakt bestimmte Suchbegriffe zu treffen. Heute verstehen KI-Systeme ganze Zusammenhänge. Es zählt somit nicht mehr nur das einzelne Keyword, sondern der Kontext: Welche Begriffe tauchen gemeinsam auf? Wie stimmig ist der Text insgesamt? Und welche Autorität hat die Quelle? KI liest nicht mehr nur Wort für Wort, sondern erfasst Themenfelder. Wer nur auf Keyword-Dichte setzt, wird daher kaum mehr sichtbar sein. Es braucht Inhalte, die fundiert, gut vernetzt und für Menschen geschrieben sind.

Frage: Ist die eigene Website überhaupt noch wichtig?

Manuela Machner: Ja, aber auf andere Weise. Die Website ist nicht mehr nur dafür da, Besucher direkt anzusprechen, sondern sie muss auch den Maschinen Antworten liefern können. Das bedeutet, dass Inhalte so aufbereitet sein müssen, dass sie von KI-Systemen verstanden und weiterverwendet werden. Struktur, Klarheit und Relevanz werden damit wichtiger als Designtricks oder Marketingfloskeln. Die Webseite bleibt wichtig, der Nutzer kommt aber immer seltener über Google und immer häufiger über die KI dorthin.

Viele Hotels setzen KI bereits ein: Bei der Erstellung von Websites oder in Form von Chatbots ist die Technologie weit verbreitet. Gezielte Optimierung für eine bessere Sichtbarkeit in KI-Systemen ist damit die logische nächste Stufe.
 

GEO, AEO & LLMO: neue Begriffe für neue Zeiten

Die klassischen SEO‑Regeln allein reichen heute nicht mehr. Stattdessen gewinnt Folgendes an Bedeutung:

  • GEO: Generative Engine Optimization: Inhalte so gestalten, dass generative KI sie aufnehmen und wiedergeben kann.
  • AEO: Answer Engine Optimization: Inhalte strukturieren, damit sie direkt als Antwort erscheinen.
  • LLMO: Large Language Model Optimization: Informationen verständlich machen für Sprachmodelle. Dazu gehören klare Strukturen, erkennbare Inhalte und präzise Formulierungen.
     

Fünf Dinge, mit denen jeder starten kann

Damit Hotels in KI-Antworten auftauchen, braucht es mehr als klassische SEO. Die folgende Grafik zeigt fünf Schritte, mit denen sich Sichtbarkeit gezielt verbessern lässt:

  1. Eigene WebSite analysieren – Technik & Inhalt
  2. Web-Präsenz analysieren, was steht wo über das Unternehmen
  3. Technische Maßnahmen setzen: zB strukturierte Daten nutzen
  4. Onpage-Optimierung: die eigene Seite inhaltlich optimieren, Inhalt zählt
  5. Offpage-Optimierung: was steht über mich auf anderen Seiten, wie zum Beispiel Gastrofacts
     


Blick in die Zukunft

Frage: Wo sehen Sie die Branche in ein paar Jahren?

Manuela Machner: Wir werden wahrscheinlich gar nicht mehr bewusst „suchen“. Wir werden sagen: „Finde mir ein gutes Wirtshaus für morgen Abend“, und ein KI‑Agent schlägt drei passende Orte vor, reserviert einen Tisch und schickt die Wegbeschreibung. Hotels, die ihre Daten pflegen und ihre Besonderheiten klar kommunizieren, werden von diesen Agenten vorgeschlagen. Wer abwartet, wird schlicht nicht mehr gefunden.
 

Über Manuela Machner

Manuela Machner berät Hotels, Gastronomiebetriebe und Tourismusregionen bei der sinnvollen Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Mit über zwanzig Jahren Erfahrung im Tourismus und einem Jahrzehnt in der IT verknüpft sie Praxiswissen mit technologischem Know‑how. Ihr Schwerpunkt liegt auf der digitalen Sichtbarkeit: Wie schaffen es Betriebe, dass KI‑Systeme sie finden, verstehen und empfehlen? Mehr Informationen, Praxisbeispiele und kostenfreie Tools finden Sie auf ihrer Website www.kinet.ai.