
Wofür steht das Swiss Green Economy Symposium in einem Satz?
Das Swiss Green Economy Symposium ist die umfassendste Konferenz in der Schweiz – und zunehmend auch
international –, die Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenbringt, um konkrete, innovative Lösungen für nachhaltiges Wirtschaften und mehr Wohlstand im Einklang mit Umwelt und Gesellschaft zu entwickeln.
Das SGES blickt auf seine Geschichte seit 2013 zurück. Was war 2017 die Motivation für Ihren Beitritt?
Ich bin Ingenieurin und habe viel Erfahrung darin, komplexe Systeme zu analysieren und Zielkonflikte zu steuern – also Situationen, in denen verschiedene Anforderungen gleichzeitig berücksichtigt werden müssen. Genauso funktionieren auch Fragestellungen der Nachhaltigkeit: Soziale, ökologische und wirtschaftliche Aspekte müssen miteinander in Einklang gebracht werden, sonst tragen Lösungen nicht nachhaltig. Der entscheidende Unterschied ist, dass dies keine rein technische Aufgabe ist. Es braucht Dialog zwischen sehr unterschiedlichen Akteuren und Sichtweisen. Dieser Prozess ist anspruchsvoll und dynamisch – und genau das interessiert mich am SGES.

Welche Themen sind seit den Anfängen geblieben?
Seit 2013 begleiten uns zentrale Themen wie Ernährung, Energie, Mobilität und Sustainable Finance. Unser Ziel ist es, Innovationen zu zeigen und gezielt zu neuen Lösungen anzuregen.
Was ist neu dazugekommen?
Stark an Bedeutung gewonnen hat die Kreislaufwirtschaft in verschiedenen Bereichen – von der vollständigen Nutzung landwirtschaftlicher Erzeugnisse bis zum Bauen, zur Elektronik und zu Kunststoffen. Gerade Letzteres ist für Gastronomie und Hotellerie auch relevant, etwa beim Thema Verpackung.
Wie hat sich das Symposium insgesamt entwickelt?
Aus einem halbtägigen Anlass mit 200 Teilnehmenden ist eine Plattform entstanden, mit jährlich rund 2000 Teilnehmenden, über 250 Speakern, etwa 16 Fachtagungen sowie mehreren Firmenbesuchen im Rahmen der SGEXperience. Heute ist das SGES national etabliert. In diesem Jahr wird das SGES durch einen Biodiversitätskongress ergänzt.
«Soziale, ökologische und wirtschaftliche Aspekte müssen miteinander in Einklang gebracht werden.»

Wo sagen Sie bei Versprechen rund um Umwelt und Gesellschaft bewusst «so nicht»?
Wir verstehen uns als möglichst neutrale Plattform. Jede und jeder darf mit eigenen Sichtweisen, Fragen und Meinungen kommen. Wir glauben aber, dass die Kommunikation von etablierten Fakten – und auch von dem, was man bisher nicht weiss – allen hilft. Wir möchten zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen und empfehlen, offen und neugierig zum Symposium zu kommen.
Vielfach wird nur geredet – Sie vernetzen. Wie entstehen aus Begegnungen echte Projekte?
Wir verstehen uns als Gastgeber für Menschen und Dialog. Wichtig ist eine offene, wohlwollende Atmosphäre, in der unterschiedliche Meinungen ehrlich hinterfragt werden können. Diese Unterschiedlichkeit fordert heraus und bringt Menschen aus ihrer Komfortzone. So entstehen Beziehungen – und daraus gemeinsame Projekte.
Können Sie ein Beispiel nennen?
2022 führten wir eine Podiumsdiskussion mit sehr unterschiedlichen Akteuren aus Winterthur durch. Daraufhin unterstützte die Mobiliar die Bestrebungen der Stadt Winterthur für eine Schwammstadt. Eine Schwammstadt hält Regenwasser möglichst dort zurück, wo es fällt. Konkret wird etwa Dachwasser eines Schulhauses gesammelt und zur Bewässerung eines Stadtgartens genutzt. Zusätzlich werden Flächen entsiegelt und begrünt. So wird Hitze reduziert und Überschwemmungen vorgebeugt. Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Bevölkerung arbeiten dabei zusammen.

Teilnehmende knüpfen am SGES im Durchschnitt neun neue Kontakte.
Liefert das SGES auch messbare Ergebnisse?
Wir messen unsere Wirkung als Vernetzungs- und Innovationsplattform. Teilnehmende knüpfen im Durchschnitt neun neue Kontakte, vertiefen sechs bestehende und entwickeln rund drei neue Ideen. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden findet potenzielle Umsetzungspartner.
Wovon kann die Hotellerie und Gastronomie konkret profitieren?
Vor allem das Thema Food betrifft die Branche direkt: Ernährungssysteme, Lieferketten, Food-Waste, Kreislaufwirtschaft oder Verpackung. Gleichzeitig lohnt sich der Blick darüber hinaus: Fragestellungen zu Mobilität, Energie, Gebäuden oder Finanzierung betreffen Unternehmen aller Branchen. Die Hotellerie und Gastronomie kann so vom Erfahrungsaustausch in sehr unterschiedlichen Programmteilen profitieren. Einen Einblick in konkrete Projekte zum Thema Food bietet auch die SGEXperience mit verschiedenen Firmenbesuchen, zuletzt etwa im The Valley in Kemptthal, einem Innovationsstandort im Food-Bereich.
«Fragestellungen zu Mobilität, Energie, Gebäuden oder Finanzierung betreffen Unternehmen aller Branchen.»
Welche Zusammenarbeit wünschen Sie sich künftig besonders?
Wir setzen auf langfristige Partnerschaften, um auch Work in Progress zu zeigen. Das SGES soll ein Raum sein, in dem auch unbequeme Fragen offen diskutiert werden können, unter anderem in vertiefenden Round-Table-Formaten, verteilt über das ganze Jahr. Ausserdem befinden wir uns international im Ausbau, unter anderem mit einem ersten Anlass in Mexiko.
Statement
«Das SGES ist für uns relevant, weil es nicht bei Lösungen beginnt, sondern bei der Klärung dessen, was überhaupt das Problem ist. In einem Feld, das von Vereinfachung und Aktionismus geprägt ist, schafft das SGES einen seltenen Raum für den zweiten Blick, für Widerspruch und Lernen zwischen Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft. Genau dort entstehen tragfähige Orientierungen für Transformation – nicht als Rezepte, sondern als geteiltes Verständnis.»
Statement
«Innovation braucht Vertrauen und einen Raum, um Neues zu diskutieren. Das SGES schafft diese Räume, um gemeinsam die Basis für Neues zu schaffen, Inspiration zu bekommen und die nächsten Experimente anzustossen.»
Statement
«Nachhaltigkeitsthemen sind komplex – zu komplex, als dass sie von individuellen Akteuren gelöst oder aus einer Ein-Faktoren-Perspektive adressiert werden können. Deshalb braucht es die Vernetzung von Akteuren und Ideen. Das SGES bietet eine gute Plattform, um aktuelle Herausforderungen interdisziplinär zu diskutieren und neue Ansätze und Zusammenarbeitsformen zu explorieren.»