Hotel Palavitte
Hotellerie Bettina Bellmont 26.07.2018

Hotel Palafitte: Luxus auf dem See

Das Luxushotel Palafitte in Neuchâtel ist ein Ort der Gegensätze und
kombiniert gekonnt, was anderswo nur schlecht zusammenpasst:
Freizeit und Business, Land und Wasser, Action und pure Entspannung.
Abtauchen in eine andere Welt.

Eigentlich sollte es nur ein Projekt für zwei Jahre werden. Für die Expo.02 entwarfen der Architekt Kurt Hoffmann und die Studenten der École Hôtelière de Lausanne ein Hotel direkt am Ufer des Neuenburgersees. Es sollte an die Pfahlbauer der Region erinnern und dabei Natur und Luxus verbinden. So entstanden rund 38 luxuriös ausgestattete Pavillons auf Pfählen; 14 direkt am Seeufer, 24 über dem Wasser gebaut und mit einem direkten Seezugang vom Balkon. Statt plangemäss abgebaut und in Deutschland neu aufgerichtet zu werden, steht das Hotel Palafitte noch heute in Neuchâtel.

Natur pur

«Der Erfolg war so gross, dass sich die Stadt und der Kanton dafür einsetzten, das Hotel zu behalten», erzählt Yves Chavaillaz. Er ist General Director von drei renommierten Hotels in der Romandie – Château d’Ouchy, Angelterre & Résidence und eben Palafitte. Zweimal in der Woche ist er vor Ort und spürt die besondere Atmosphäre selbst nach den vier Jahren seit seinem Start im Palafitte: «Hier ist es ruhig und friedlich. Die Natur, der See und die Alpen am Horizont laden geradezu ein, sich wieder auf sich selbst und sein Inneres zu besinnen.» Draussen schwappt das Wasser gegen die Steine am Uferrand. Ein Dampfschiff kündigt sich hupend an und übertönt für einen kurzen Moment das Zwitschern der Vögel. Gerade hat ein Sommergewitter für Abkühlung gesorgt und nur ein mutiger Schwimmer traut sich ins Wasser. Die anderen Gäste fläzen sich erneut in die Sessel am Ufer und geniessen die stärker werdenden Sonnenstrahlen.

Bauliches Upgrade

Hinter der entschleunigten Atmosphäre stecken viel Arbeit und einige bauliche Investitionen. «Das Hotel war nicht dazu ausgelegt, hier so lange im Betrieb zu sein. Es fehlte entsprechend an langfristigen Klimasystemen, Heizungen und robusten Leitungen», so Chavaillaz. Zudem besteht die natürlich gehaltene Grundstruktur

«Das Hotel war nicht dazu ausgelegt, hier so lange im Betrieb zu sein. Es fehlte entsprechend an langfristigen Klimasystemen, Heizungen und robusten Leitungen.»

Yves Chavaillaz General Director der Hotels Château d’Ouchy, Angelterre & Résidence und Palafitte

des Haupthauses und der Pavillons aus vielen Holzbalken und -elementen, die Wind, Wellen und Wetter standhalten müssen. Die Pfähle, auf denen die Pavillons über dem Wasser stehen, sind zwar aus Metall und Beton, aber auch diese benötigen eine regelmässige Wartung. «Alle fünf Jahre kontrolliert ein Taucher, ob die Pfähle in Ordnung sind.»

Hotel Palafitte

Name:Hotel Palafitte
Ort:

Neuchâtel, direkt am Seeufer

Zimmer:

38 Pavillons, 76 Betten

Personal:

42 (Sommerbetrieb), 38 (Winterbetrieb)

Restaurants:

La Table de Palafitte (mediterran), Bar, Zigarrenlounge

Geschichte

Als Projekt für die Schweizer Landes ausstellung 2002 erbaut, gehört das Hotel heute fest zur Hotellandschaft der Stadt Neuchâtel.

Business und Ferien

Nicht nur die Lage und die Architektur machen das Palafitte zu einem Hotel der harmonierenden Gegensätze. Auch die unterschiedlichen Gruppen von Gästen sorgen für Abwechslung. «Unter der Woche und im Winter sind wir ein typisches Hotel für Businessleute, am Wochenende kommen die Feriengäste», so Chavaillaz. Global aktive Hersteller von Luxusgütern wie Uhren sind in Neuchâtel zuhause und nutzen das Hotelangebot für ihre Mitarbeitenden oder Kunden. «Auch Musiker übernachten oft bei uns. Für die Musikfestivals in der Nähe bringen sie ihre ganze Crew mit.» 70 Prozent aller Gäste stammen aus der Schweiz. Senioren, Familien mit Kindern, Paare, Einzelreisende: Während den Sommermonaten ist es im Palafitte auch unter der Woche vollkommen durchmischt. Stören tut sich offensichtlich trotzdem keiner am anderen.

Ungestört geniessen

Yves Chavaillaz hat dazu eine Vermutung: «Unsere Gäste sind entspannter, weniger gestresst.» Das ganze Hotelkonzept sei darauf ausgelegt, diese Stimmung zu unterstützen. «Wir bieten unseren Gästen sogar an, ihre Handys sicher am Empfang für sie aufzubewahren – sodass sie ihren Aufenthalt ganz ohne Ablenkung von aussen geniessen können.» Lachend fügt der General Director an:

«Wir bieten unseren Gästen an, ihre Handys aufzubewahren – sodass sie ihren Aufenthalt ganz ohne Ablenkung geniessen können.»

Yves Chavaillaz

«Tatsächlich entscheidet sich kaum jemand dafür. Aber ... das Angebot haben wir zumindest.» Wem die Ruhe dann zu viel wird, dem bietet das Palafitte Aktivitäten wie Wasserski oder eine Motorbootfahrt. Paddeln, kanufahren, angeln und schwimmen oder mit dem Hotel-Bike die Stadt erkunden: Auch das geht immer.

Winterspass und Partyruhe

Also ein typisches Sommerhotel? «Nein, überhaupt nicht! Der See hat im Winter einen besonderen Charme», sagt der General Director. Cocooing ist hier das Stichwort: Das Team des Palafittes schaut auf jedes Detail – von den gemütlichen Socken bis hin zum gekühlten Rosé. Damit das Erlebnis in Zukunft noch gemütlicher wird, ist auf nächsten Winter eine Outdoor-Sauna für sechs Personen geplant. «Wir bauen das Angebot generell aus und möchten mehr Abwechslung bieten – zum Beispiel mit mehr Events wie Barbecue sowie bedürfnisfokussierten Arrangements und Themenweekends. » Diese seien eine bewährte Lösung, damit die Ansprüche der Partygäste und jene der Entspannungsurlauber nicht miteinander kollidieren.

Konstant hochwertig

Der Grossteil der Gäste speist abends im Restaurant La Table de Palafitte. Statt Sternejagd entscheidet sich der General Director – einst selbst Koch – deshalb lieber für Konstanz: «Mir ist wichtiger, dass wir durchgehend qualitativ hochwertige Gerichte mit lokalen

«Mir ist wichtiger, dass wir durchgehend qualitativ hochwertige Gerichte mit lokalen Produkten servieren können, als dass wir riskante Experimente wagen.»

Yves Chavaillaz

Produkten servieren können, als dass wir riskante Experimente wagen.» Wer als neuer Küchenchef im Moment den Löffel schwingt und für den reibungslosen Ablauf im La Table sorgt, das möchte Yves Chavaillaz zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht verraten. «Das teilen wir mit, sobald er sich gut eingearbeitet hat.»

Fitness und Wellness

Etwas anderes kann der dreifache Hotelier allerdings schon erzählen: «Wir planen derzeit anlässlich eines Bauprojekts der Stadt den Aussenbereich des Hotels neu – es sollen eine weitläufige Parkanlage und neue Mietobjekte entstehen.» Der Eingang, der jetzt mehr an ein Expo-Gebäude als ein Luxushotel erinnert, und der Empfangs

«Fitness und Wellness: Der Trend geht vor allem bei Geschäftsleuten in diese Richtung.»

Yves Chavaillaz

bereich bekommen einen neuen Look. Zudem biete der Park die Gelegenheit, das Fitnessangebot mit einem Outdoor-Workout auszubauen. «Fitness und Wellness sind unsere nächsten grossen Ziele, denn der Trend geht vor allem bei den Geschäftsleuten klar in diese Richtung.» Die perfekte Work-Life-Balance? Im Fünfsternehotel der Gegensätze sollte das wunderbar gelingen.

Fünf Fragen an den Fünfsterne-Hotelier

Warum sind Sie Hotelier geworden?
Ich bin hier ganz in der Nähe von Neuchâtel aufgewachsen, lernte Koch und arbeitete eine Zeitlang in Kanada, ehe ich feststellte: Das ist nicht der richtige Weg für mich. Ich wollte etwas anderes. Also kehrte ich zurück in die Schweiz, machte die Hotelfachschule in Lausanne und ging erneut nach Kanada. Ich verliebte mich in ein Mädchen und gemeinsam beschlossen wir nach zwei Jahren, in die Schweiz zu ziehen. Sie ist heute noch meine Frau, wir haben zwei Kinder. Meine Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut.

Was ist ihr wichtigster Grundsatz bei der Führung von Mitarbeitenden?
Heute ist horizontales Management gefragt: Alles von oben durchboxen wollen, bringt nichts mehr. Vor einer Entscheidung hole ich die Ideen meiner Mitarbeitenden ein und binde sie in den Prozess ein.

Was ist die grösste Herausforderung?
Ich merke, dass es immer schwieriger wird, gut ausgebildetes und motiviertes Personal für die sehr fordernden Bedingungen der Hotellerie zu finden. Deshalb wählen wir Leute mit der richtigen Haltung aus und bilden sie intern weiter. Mittelfristig müssen wir unsere Berufe wieder attraktiv für die junge Generation machen – zum Beispiel mit einem eigenen Ausbildungszentrum. Andere Arbeitszeitmodelle, Schichtbetrieb: Solche Dinge denken wir an.

Ihr Lieblingsraum im Palafitte?
Alle Pavillons sind gleich ausgestattet. Mein Lieblingsort ist aber Pavillon 18. Der liegt ganz am Rand der Reihe über dem Wasser und verfügt über die beste Aussicht auf die Berge.

Welchen Gast werden Sie nie mehr vergessen?
Robert Plant! Ich bin ein grosser Fan von Led Zeppelin und konnte es kaum glauben, als der Leadsänger anlässlich eines Festivals im Palafitte übernachtete. Es war etwas Besonderes, ihn hier bei uns zu haben. Entgegen allen Erwartungen ist er ein ganz unkomplizierter und netter Mensch.

Bettina Bellmont

Autor: Bettina Bellmont