

Konrad Rietmann
ZHAW
Konrad Rietmann forscht und lehrt am Institute for Organizational Viability an der ZHAW. Er ist Experte für Employer Branding auf Social Media und arbeitet mit zahlreichen Gesundheitsorganisationen zusammen.
1. Warum sollten Pflegeeinrichtungen Social Media für Employer Branding nutzen?
Der Stellenmarkt in der Schweiz hat sich 2025 deutlich abgekühlt. Eine hohe Nachfrage besteht jedoch weiterhin im Gesundheitswesen. Da Social Media besonders von Jüngeren stark genutzt wird, sind Social-Media-Plattformen für Rekrutierung und Employer Branding grundsätzlich unverzichtbar. In der Pflege sind soziale Medien wichtig, weil viele Pflegefachkräfte den Rücken gekehrt haben und inzwischen in anderen Branchen arbeiten. So lassen sich gezielt diejenigen ansprechen, die eine Rückkehr in die Pflege erwägen.
2. Welche Inhalte eignen sich, um gute Arbeitsbedingungen sichtbar zu machen?
Die Pflege ist geprägt durch Fachkräftemangel, hohe Vertrauensanforderungen und sensible Inhalte. Deshalb sind die Arbeitsbedingungen nicht eins zu eins mit anderen Branchen vergleichbar. Unregelmässige Arbeitszeiten können jedoch Vorteile bieten, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder die Freizeitgestaltung zu verbessern, etwa Skifahren unter der Woche. Auch intrinsische Motivation, also: aus eigenem Antrieb, oder «Purpose», das Leben anderer durch meine Arbeit zu verbessern, können eine Rolle spielen. Gut gemachte Social-Media-Inhalte erhöhen die Interaktion und zeigen die Vorteile, in der Pflegebranche zu arbeiten, etwa die höhere Arbeitsplatzsicherheit.
3. Welche Formate funktionieren, um gute Arbeitsbedingungen sichtbar zu machen?
Nicht alle Formate passen zu jeder Zielgruppe. Gute Optionen sind Kurzvideos/Reels für Einblicke in den Pflegealltag und Fotostorys/Carousels auf Instagram, LinkedIn oder Facebook, etwa «Mein Arbeitsplatz in fünf Bildern». Dazu kommen Livestreams/Q&A für direkte Fragen aus der Community, Story Highlights/Social Series zur Bündelung wiederkehrender Themen sowie Community Posts mit Mitarbeitereinbindung.
4. Wie kann Authentizität vermittelt werden?
Authentizität beim Employer Branding auf Social Media entsteht durch Testimonials von echten Mitarbeitenden. Diese sind vertrauenswürdiger als klassische Werbekampagnen. Auch Employee Generated Content, etwa Mitarbeitende, die über positive Erlebnisse im Pflegealltag posten, kann Reichweite und Glaubwürdigkeit erhöhen. So können Pflegeeinrichtungen zudem Transparenz, Arbeitskultur und Vorteile schnell und glaubwürdig vermitteln. Employer Branding wirkt am besten, wenn der gelebte Alltag sichtbar wird.
5. Wie messen Pflegeeinrichtungen den Erfolg?
Erfolg braucht klare quantitative/qualitative Ziele und passende Kennzahlen (KPIs). Pflegeeinrichtungen sollten sich fragen: Was soll der Employer-Branding-Auftritt erreichen? Sichtbarkeit und Image lassen sich über Reichweite, Impressionen, Follower-Wachstum und Views messen. Glaubwürdigkeit und Vertrauen werden über das Verhältnis positiver/kritischer Kommentare, wiederkehrende User und Erwähnungen durch Dritte gemessen. Die Arbeitgeberattraktivität kann über Klicks auf Stellenanzeigen, Website-Traffic und die Anzahl der Bewerbungen gemessen werden, Interaktion und Dialog über die Engagement-Rate sowie Recruiting und Bindung über Bewerbungen sowie Einstellungen.