
Wer von Innertkirch Richtung Grimselpass fährt, entdeckt beim Ortseingang von Guttannen eine kleine Destillerie, in der seit 2022 der Faceplant Gin gebrannt wird. Die Berner Oberländer Brenner setzen konsequent auf lokale Verankerung und Botanicals aus den Wäldern des Haslitals.
David Tiraboschi, Gründer und Inhaber der Destillerie, ist freiberuflicher Drohnen-Kameramann. Er hat schon bei zahlreichen Schweizer Produktionen sowie Hollywood-Blockbustern wie Transformers, Point Break oder Fast & Furious 10 mitgewirkt. Bei seinen beruflichen Aufenthalten in England entwickelte er eine Begeisterung für den Gin. Sein Interesse beschränkte sich nicht nur auf den Genuss, er setzte sich auch intensiv mit der Produktion des Wacholdergeistes auseinander. Er verfolgte das Ziel, die Natur seiner Heimat Guttannen in einem Gin zur Geltung zu bringen.

Im Herbst 2022 setzte er sein Vorhaben in die Tat um und eröffnete gemeinsam mit seiner Partnerin Lisa Beck und Roland Zennhauser in einer ehemaligen Glasbläserei in Guttannen die Destillerie. Auf einer kupfernen Pot-Still-Anlage produziert das Team seither verschiedene Gins unterschiedlicher Stilrichtungen wie beispielsweise den klassischen London Dry Gin No 1, den fassgelagerten Barrel Gin sowie zahlreiche saisonale Editionen. DistiSuisse zeichnete bei der letzten Prämierung im Oktober 2025 drei Gins von Faceplant mit Gold und vier weitere mit Silber aus.
Botanicals aus den heimischen Wäldern
Das Team von Faceplant sammelt und pflückt gemeinsam mit Helfern – Familienmitgliedern sowie Pensionärinnen und Pensionären aus der Region – viele der für die Gins verwendeten Zutaten selbst in den Wäldern zwischen Guttannen und dem Grimselpass. "Für uns ist es wichtig, frische Botanicals zu verwenden. Wir haben in der Entwicklung viel ausprobiert und nichts hat uns so überzeugt wie die frischen Zutaten direkt aus unseren Wäldern", erklärt Tiraboschi. "Sie sind unser Schlüssel zum Erfolg, um ein authentisches Produkt zu kreieren."

Für das Faceplant-Team beginnt die Pflück- und Sammelzeit jeweils bereits im Frühjahr. Während dann Tannen- und Lärchenspitzen nur wenige Tage im idealen Reifestadium verfügbar sind, werden Arven- und Föhrenzapfen im Frühsommer geerntet. Hagebutten und Wacholderbeeren sammelt das Team hingegen erst im Herbst. Der Produktionsplan vieler saisonaler Gins der Brennerei richtet sich deshalb nach dem Rhythmus der Natur. Auch gelber Enzian, Tüpfelfarn, Heidelbeeren, Himbeeren und sogar Steinpilze – all das wird von Hand in den Wäldern gesammelt und in der Brennerei für die Gin-Produktion verwendet. Ob waldig-harzig, beerig-herb oder floral: Die verschiedenen Abfüllungen greifen die unterschiedlichen Aromen der Jahreszeiten und der Landschaft des Haslitals auf.
Lokales Quellwasser
"Wir verwenden nur lokales Quellwasser. Dieses kommt aus Bergquellen, wurde natürlich gefiltert und ist sehr kalkarm, ideal für die Gin-Produktion", führt Tiraboschi aus. Wasser ist ein wichtiger Bestandteil bei der Gin-Herstellung, da dieser nach der Destillation mit Wasser auf Trinkstärke – bei Faceplant jeweils 43 Vol.-% – herabgesetzt wird.
Regionale Partner
Was nicht in den heimischen Wäldern wächst oder dort nicht in ausreichender Menge verfügbar ist, beziehen die Gin-Produzenten in Bio-Qualität bei "Aebi unverpackt" in Meiringen. Den Honig für den Gin-Likör Honigin liefert ein Imker aus Guttannen. Das Holz für die Gin-Kisten bezieht Faceplant ebenfalls von der Schreinerei im Dorf.

Das Gin-Sortiment von Faceplant setzt sich aus ganzjährig verfügbaren Produkten - Gin No 1, Himbeeri und Jänzener – sowie saisonalen und limitierten Editionen wie beispielsweise Föhre oder Boski zusammen.
