Business-Praxis Gabrielle Alioth 08.11.2019

Waschen mit Vision

Was geschieht mit der Wäsche, die sich allmorgendlich in Hotelfluren türmt?
In der Wäscherei wird sie in die makellosen Bett- und Frotteetücher zurückverwandelt, die zu den Wahrzeichen der Schweizer Hotellerie gehören.

Aus den Abluftrohren des unauffälligen Gebäudes an der Oberfeldstrasse in Kloten (ZH) steigt der Duft frischer Wäsche. Seit über 40 Jahren beliefert die als Prohotel von der Swissair-Gruppe gegründete Elis-Wäscherei Hotels und Restaurants mit sauberer, gebügelter und gefalteter Wäsche. «Es ist wirklich kein sexy Bereich», schmunzelt der 31-jährige Pierre Mercier, Absolvent der renommierten Chimie Paristech, der die Elis-Niederlassung seit April 2018 leitet. «Aber», er deutet auf ein Diagramm mit fallenden Trends am Merkbrett im Flur, «ich bin Ingenieur, und alleine im letzten Jahr konnten wir durch Wiederverwendungsmassnahmen unseren Wasserverbrauch um 20 Prozent reduzieren.»

«Alleine im letzten Jahr konnten wir unseren Wasserverbrauch um 20 Prozent reduzieren.»

Pierre Mercier
Niederlassungsleiter
Elis (Suisse) AG

Die 1883 gegründeten Grandes Blanchisseries de Pantin konsolidierten sich Ende der 1960er-Jahre zum Europe Linge Service (Elis), expandierten (ab 2001 auch in die Schweiz) und wurden 2017 durch die Übernahme von Berendsen zum Marktführer in Europa. Heute umfasst Elis Schweiz 16 Produktions- und Logistikstandorte, in denen über 900 Mitarbeitende wöchentlich 640 Tonnen Wäsche und rund 260’000 Berufskleider aufbereiten. Seit August arbeiten die verschiedenen Betriebe wie Prohotel in Kloten, Domeisen
in Endingen (AG), Lavotel in Nyon (VD) oder InoTex in Bern mit einem vereinheitlichten Marktauftritt unter der Dachmarke Elis. Damit sollen die Positionierung und Wahrnehmung auf dem Schweizer Markt gestärkt werden. «Für uns ist es wichtig, in der Schweiz wirklich präsent zu sein», erklärt Thomas Hollinger, CEO von Elis Schweiz. «Wir sind ein Schweizer Unternehmen, zahlen Schweizer Löhne, Schweizer Steuern und bieten schweizerische Dienstleistungen.»

Fünfsternestandard zur Miete
Gewaschen wird zu 90 Prozent Mietwäsche, die von Elis für ihre Kunden gekauft wird. «Wir übernehmen die ganze Verantwortung», so Hollinger, der zuvor 20 Jahre im Management der Gategroup tätig war. «Der Kunde muss nichts vorfinanzieren. Er entscheidet, wie viel Wäsche er braucht, wir kaufen sie, und sie wird nach einem bestimmten Rhythmus aufbereitet und geliefert. Er kann sich darauf verlassen, jeden Tag frische Wäsche zu haben. Wir wechseln die Wäsche auch regelmässig aus.»

Mietwäsche gibt es in mehreren Kollektionen, weiss meist, mit Streifen, Diamantmuster, aber auch mit Kundenlogos für Hotelgruppen wie Accor oder Marriott. «Wir haben mehr als 50 verschiedene Kopfkissen», sagt Pierre Mercier, «und wir wollen allen Kunden die gleich hohe Qualität bieten. Deshalb ist es schön, ein paar Fünfsternehotels zu bedienen, dann
wissen alle Mitarbeiter: Das ist unser Standard.»

Waschen, spülen, pressen
Die schmutzige Wäsche wird im Erdgeschoss, im «schwarzen Bereich», angeliefert und sortiert. Flachwäsche – dazu gehören Bett- und Frotteewäsche sowie Tischtücher – wandert in die grösste der Waschstrassen, in der eine endlose Schraube Ladungen von 50 Kilogramm durch 18 Kammern dreht, von Vorwäsche über Hauptwäsche bis zum Bleichen, Spülen und Aufbereiten. Das Spülwasser, das im Grunde noch sauber ist, wird für die Vorwäsche wiederverwendet. «Wasser erhitzen kostet sehr viel Energie», erklärt Mercier. «Man sollte warmes Wasser nicht wegschütten. Dank Wärmetauschern an Dampfkesseln, einzelnen Maschinen und für das gesamte Abwasser des Betriebs müssen wir unser Wasser fast nicht erhitzen.»

«Wasser erhitzen kostet sehr viel Energie. Man sollte warmes Wasser nicht wegschütten.»


Pierre Mercier

Trocknen, bügeln, falten
Es ist Pause, als wir ins Obergeschoss kommen. Elis Kloten hat rund 60 Mitarbeitende. Arbeiten in der Logistik mehrheitlich Männer, sind hier im «Finish» vor allem Frauen tätig. «Etwas traditionell», sagt Hollinger lachend. «Wir sind sehr international unterwegs. In der Romandie haben wir viele Grenzgänger, hier in Zürich Arbeitskräfte aus dem Balkan, und in Graubünden wird oft Italienisch gesprochen.» Gerade für Leute, die keine grosse Ausbildung haben, ist Elis regional ein wichtiger Arbeitgeber. «Und waschen», so Pierre Mercier, «ist Schwerarbeit. Man muss viel Respekt haben für die Frauen in der Wäscherei, die acht Stunden lang stehen, und die Männer, die über eine Tonne pro Stunde heben. Acht Tonnen pro Tag, da braucht man kein Fitnesstraining mehr.»

 

«Acht Tonnen pro Tag, da braucht man kein Fitnesstraining mehr.»

 

Pierre Mercier

Die Pause ist zu Ende, und die Maschinen beginnen wieder zu schnurren. Feuchte Leintücher schweben an der Decke durch den Raum, werden mit Klammern an den Ecken festgeklippt und auf Filzrollen in die grosse Mangel gezogen. Durch Schlitze in den Maschinenwänden kann man beobachten, wie die bis zu drei Meter breiten Tücher getrocknet, geglättet und gefaltet werden, bevor sie als kompaktes Paket die Mangel verlassen. Das Kondenswasser, das dabei entsteht, wird wiederum zum Erhitzen des Wassers in den
Waschstrassen verwendet. Kleinere Wäschestücke wie Kissen, Servietten, Tischläufer, Sets werden von Hand in eine andere Mangel gegeben. «Die Kleinteile sind die wichtigsten», sagt Pierre Mercier, «die sieht man.» Auf einem Leintuch fällt ein Streifen vom Zugband einer Maschine nicht so auf wie auf einem Kissen. Ausgebleichte Wäsche und ausgelaufene Kollektionen werden ausgesondert und von Tell-Tex abgeholt.
 

Eine Investition in die Zukunft
Unter den Elis-Betrieben in der Schweiz ist derjenige in Bern mit 250 Mitarbeitenden der grösste und zusammen mit dem in Nyon auf Wäsche aus dem Gesundheitswesen, aus Krankenhäusern und Kliniken, spezialisiert. «Alle unsere Betriebe sind ISO-zertifiziert», erklärt Thomas Hollinger. «Für die Betriebe, die besonders hygienisch waschen, gibt es zusätzliche Zertifikate, und wir selbst überprüfen unsere Prozesse ständig.» Jede Woche werden Chemie-, Energie-, Wasserverbrauch und Desinfektion kontrolliert. «Nachhaltigkeit», sagt Mercier, «ist superwichtig, und sie ist immer auch eine Investition in die Zukunft, denn nachhaltig sein rentiert.»

Die Mietwäsche wird in Asien, Pakistan, Nordafrika, aber auch in Osteuropa und Portugal eingekauft. An jedem Produktionsort werden die Arbeitsbedingungen kontrolliert. «Wenn wir merken, dass bei einem Lieferanten eine Diskrepanz besteht zwischen dem, Thomas Hollinger, CEO der Elis (Suisse) AG. was er sagt, und dem, was er tut, dann nehmen wir ihn nicht mehr», so Pierre Mercier. «Noch wichtiger aber ist es, den Waschprozess zu optimieren.» Thomas Hollinger ist realistisch: «Wir arbeiten mit Maschinen, die brauchen Strom, Energie, Wasser, Chemie. Das belastet die Umwelt sehr stark. Aus diesem Grund ist es wichtig, eine gute Balance zu finden.» Die Wäsche soll sauber, aber nicht zu sehr angegriffen werden, damit sie lange hält. «Wir sind in einem Geschäft tätig, in dem wir mit Lastwagen ausliefern müssen. Jetzt sind wir daran, unsere Touren weiter zu optimieren, damit wir weniger fahren müssen.»

«Jetzt sind wir daran, unsere Touren weiter zu optimieren, damit wir weniger fahren müssen.»


Thomas Hollinger
CEO
Elis (Suisse) AG

Familiär und flexibel
Elis Kloten beliefert das Gebiet von Zürich bis Adliswil, Meilen, Basel und Winterthur. «Wir sind ein familiäres Unternehmen», beteuert Mercier. «Wir sind nun zwar gross geworden, aber das Verhältnis mit Mitarbeitern und Kunden ist sehr nahe, und wir können rasch handeln. Wenn etwas fehlt, der Kunde etwas vergessen hat, kann ich die Wäsche in mein Auto packen und liefern, auch mitten in der Nacht. Wir haben eine sehr hohe Flexibilität.»

 

Durchschnittlich benötigen die Waschstrassen von Elis nur einen Achtel des Waschmittels einer Haushaltmaschine, der Wasserverbrauch liegt derzeit bei einem Fünftel. «Für uns», erklärt Pierre Mercier, «steht die Qualität immer im Vordergrund. Die Verbesserungen im Sinne der Nachhaltigkeit hören dort auf, wo wir merken, dass die Qualität der Wäsche leidet. Und das sehen wir sofort, wenn die Wäsche gelb ist oder grau wird.» Jedes Jahr wird in Nachhaltigkeitsmassnahmen investiert, das gehört zu den Vorteilen eines so grossen Unternehmens. «Wenn wir wissen, dass wir dadurch besser werden, wird es gemacht», sagt Mercier. Eine neue Maschine ist stets ein Schritt vorwärts. «Und das ist wirklich spannend. Wir können noch viel besser werden.»

Gabrielle Alioth

Autor: Gabrielle Alioth