Heime & Spitäler Andreas Pfeiffer 30.08.2019

Was bedeutet nachhaltiges Bauen für Heim und Spitäler?


Beim Bau von Heimen und Spitälern soll man sich auf bekannte Standards stützen, empfiehlt Berater Andreas Pfeiffer im Gastrofacts-Gastbeitrag. Als Beispiele nennt er den Standard nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS), Minergie-P und Eco sowie den GEAK Plus. Pfeiffers Firma brain4sustain berät Bauherren bei der strategischen Ausrichtung ihres Immobilienportfolios.

Nachhaltige Produkte und Dienstleistungensind auf dem Vormarsch. Einerseits sind Kunden in Zeiten der Klimabewegung vermehrt sensibilisiert, anderseits müssen sich auch Unternehmen längerfristig damit befassen. Die Qualität der Produkte in der Gastro- und Hotelbranche steht im Zusammenhang mit der vorhandenen Infrastruktur. Aber auch die Zulieferketten und die Verarbeitung im Betrieb sind von Bedeutung.

Was ist Nachhaltigkeit?
Nachhaltigkeit bedeutet ein ausgewogenes Optimum von sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Qualitäten. Da die Thematik komplex und schwer zu fassen ist, haben sich im Bauwesen verschiedene Standards und Labels etabliert. Vor über 20 Jahren war es der Minergie-Standard, der sich einem tiefen Energieverbrauch verschrieben hat. Seit einigen Jahren ist ein Trend zu ganzheitlichen Ansätzen wie zum Beispiel dem SNBS (Standard nachhaltiges Bauen Schweiz) spürbar.
 

Suva übernimmt Vorbildfunktion
Die Suva hat sich schon vor über zehn Jahren zu mehr Nachhaltigkeit beim Bauen verpflichtet und deshalb freiwillige Vorgaben definiert und in den Projekten eingefordert. Damit übernahm sie schon sehr früh eine Vorbildfunktion. Beim Um- und Neubau der Rehaklinik in Bellikon (AG) wurden diese Vorgaben eines Minergie-P-Gebäudes mit zusätzlichen strengen materialökologischen Vorgaben umgesetzt. Bereits in der Wettbewerbsphase flossen diese Anforderungen ein, um das Projekt entsprechend auszurichten.

«Zu einem nachhaltigen Wirtschaften gehört auch eine hochwertige Infrastruktur mit den effizientesten Geräten.»
 

Nachhaltigkeit ist Chefsache
Für Oliver Bergamin, Leiter der Hotellerie der Rehaklinik Bellikon, bedingt eine hohe Nachhaltigkeit die optimale Beschaffung der Produkte, abgestimmte Abläufe und Verarbeitung. Zu einem nachhaltigen Wirtschaften gehört auch eine hochwertige Infrastruktur mit den effizientesten Geräten. Regionale Produkte sind dank den kurzen Transportwegen frischer, zudem unterstützt man mit deren Kauf das lokale Gewerbe. In der Gastronomie und Hotellerie bedeutet Nachhaltigkeit auch eine bedarfsgerechte Just-in-time-Produktion. Es gilt dabei, Food Waste zu minimieren, weshalb die Portionengrösse individuell auf die Wünsche der Patienten angepasst sind. Organisatorisch ist Nachhaltigkeit stets Chefsache, davon ist Oliver Bergamin überzeugt. Demnach ist es wichtig, dass die Führung die Nachhaltigkeit vorlebt und auch bei den Mitarbeitenden einfordert. Dies bedingt Mitarbeiterschulungen und Sensibilisierungen für die Themen.
 

Warum nachhaltig bauen?
In Spitälern und Heimen stehen die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen im Zentrum. Daher ist es naheliegend, die Gebäude nach strengen Nachhaltigkeitsvorgaben
zu bauen. Minergie als bekanntester Gebäudestandard greift oft zu kurz, da dieser vorwiegend auf die Betriebsenergie und die Lüftung fokussiert. Wichtig ist eine umfassende Betrachtung der Nachhaltigkeit unter Ausbalancierung aller Aspekte in den drei Dimensionen: Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt. Der Eco-Zusatz von Minergie geht bereits einen Schritt in diese Richtung und berücksichtigt auch die Luftqualität im Innenraum und die graue Energie der vorgelagerten Prozessketten für die Erstellung der Gebäude. Auf nationaler Ebene setzt sich der Standard nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) langsam durch. Dieser vereint die bewährten und bekannten Standards wie Minergie-P und Eco und ergänzt sie mit weiteren Aspekten.
 

Ist ein nachhaltiges Gebäude teurer?
Natürlich ist der Aufwand für die Entwicklung und Planung nachhaltiger Immobilien tendenziell etwas höher und dauert manchmal etwas länger. Doch die höhere Bauqualität zahlt sich in der Betriebsphase aus. Somit sind solche Objekte auf lange Sicht oft günstiger und es ist mit weniger Personalausfallzeiten und höherer Nutzerzufriedenheit zu rechnen. Bei der Erstellung resultieren kaum oder sehr geringe Mehrkosten, solange die Qualitäten frühzeitig in die Projekte einfliessen.

«Die höhere Bauqualität zahlt sich in der Betriebsphase aus. Solche Objekte sind auf lange Sicht oft günstiger.»
 

Wie kommt man zu seinem nachhaltigen Objekt?
Nachhaltiges Bauen ist ein Führungsthema und beginnt auf oberster Ebene. Geschäftsführer und Direktoren von Spitälern und Heimen sollten sich strategische Gedanken machen, wie sie sich im Thema positionieren möchten. Am besten setzt man auf einen bekannten Standard wie den SNBS oder entnimmt daraus die zum Unternehmen passenden Aspekte. Ist die Zielsetzung für das Neubau- und Umbauprojekt klar, ist es entscheidend, so früh als möglich die Anforderungen in den Prozess einzubringen. Am besten vor dem Studienauftrag oder Projektwettbewerb, spätestens aber bei der Beauftragung der Planer.

«Am besten setzt man aufeinen bekannten Standard oder entnimmt daraus die passenden Aspekte.»


Es muss nicht immer ein Neubau sein

Das grösste Potenzial für mehr Energieeffizienz liegt zweifelsohne im Bestand. Mit dem GEAK Plus, einem Sanierungsbericht nach dem Gebäudeenergieausweis der Kantone, werden mögliche Sanierungskonzepte aufgezeigt und einander gegenübergestellt. Die Nachfrage nach dem GEAK Plus ist in den letzten Monaten extrem gestiegen, da er in den meisten Kantonen gefördert wird und für die Fördermittel aus dem Gebäudeprogramm zwingend vorliegen muss.

 

Topmassnahmen für mehr Energieeffizenz!
Die Betriebsenergie ist ein wichtiger Aspekt des nachhaltigen Bauens, aber nicht der einzige. In bestehenden Objekten gibt es oft grosse Potenziale, welche sich meist auch finanziell auszahlen. Die grössten Einsparpotenziale bestehen in folgenden Massnahmen:

1. Verbessern Sie die Gebäudehülle, also Fenster, Aussenwände und Dach.
2. Optimieren Sie Ihren Betrieb, zum Beispiel mit LED-Beleuchtung.
3. Sorgen Sie für eine effiziente und erneuerbare Energieaufbereitung, zum Beispiel mittels Wärmepumpen und Solarstrom auf dem Dach.

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

brain4sustain GmbH
GEAK
EnergieSchweiz
Minergie
Rehaklinik Bellikon

VON:
Andreas Pfeiffer