Heime & Spitäler Bettina Bellmont 31.08.2020

Schnell und schonend desinfiziert

Ist es möglich, einen Raum innert weniger Minuten komplett zu desinfizieren? Ein Test im Besucherraum der Stiftung Scalottas mit dem Schweizer Desinfektionsmittel Steripol zeigt: Ja – und wie!

Auch an der Stiftung Scalottas, Kompetenzzentrum für Menschen mit Behinderung in Scharans (GR), ging die Coronakrise nicht ­spurlos vorbei. Aktivitäten und ­Therapien mussten reduziert werden. Besuche waren zeitweise nicht mehr möglich. Eine schwierige Situation für die 88 Bewohnerinnen und Bewohner – aber auch eine Chance. «Wir erlebten grosse Unterstützung für unsere Entscheide, auch wenn diese für die Angehörigen sicher nicht einfach ­waren», blickt Tilo Dörrer, Verantwortlicher für Qualität und Sicherheit, zurück. «Wir haben die ­Erfahrung gemacht, dass die Ruhe vielen Bewohnerinnen und Bewohnern sogar sehr guttat und sie sich und ihre Fähigkeiten neu kennenlernen konnten.» Diesen Mehrwert wolle man nun in die weitere ­Planung mitnehmen, wenn allmählich die Aktivitäten und ­Besuche wieder hochgefahren werden.

«Der Schutz unserer Bewohnenden hat oberste Priorität.»

Dorothea Kranz
Bereichsleiterin Ökonomie Stiftung Scalottas

Kritische Oberflächen

Die Rückkehr zur «neuen Normalität» und damit die Einhaltung der Schutzkonzepte bedeutet einen grossen Aufwand für die 215 Mitarbeitenden. Ober­flächen, Türgriffe, Handläufe, Toiletten und so weiter werden mehrmals täglich von Hand desinfiziert. «Früher hiess es: so viel wie nötig und so wenig wie möglich desinfizieren. Jetzt sind wir sehr herausgefordert, weil es zum Alltag gehört», sagt Irene Zosso. Als Leiterin Hauswirtschaft kümmert sie sich um den richtigen Einsatz und den Einkauf des Desinfektionsmittels. Ihre Mitarbeitenden haben viele Erfahrungen gemacht mit Rückständen, unschönen ­Streifen und gemalten Oberflächen, die nicht alkoholbe­ständig sind. Aus denselben Gründen musste auch das Restaurant ­Abstriche machen. Dorothea Kranz, Leiterin Ökonomie, erklärt: «Der Schutz unserer Bewohnenden hat oberste Priorität. Deshalb haben wir alles weggeräumt, was nicht regelmässig mit Desinfektionsmittel gereinigt werden kann.» So fehlen nun die Spielecke und die Polstermöbel.

 

Auf der Suche nach dem passenden Desinfektionsmittel hat Irene Zosso klare Vorstellungen: «Es muss mindestens 30 Sekunden feucht bleiben, nicht abfärben und kein Aerosol enthalten – das wäre schlecht für die Schleimhäute.» Auch der Produktionsstandort und die Verlässlichkeit des Anbieters spielen eine Rolle. Denn gerade das Beschaffen der Desinfektionsmittel aus dem Ausland war ein schwieriges Unterfangen. «Ein grosser Aufwand. Es gibt so viele Anbieter und Lieferunter­brüche. Man weiss nicht, wann eine Bestellung ankommt.» Der Vorrat an Desinfektionsmittel sollte mindestens 40 Tage reichen, doch gerade in den Lockdown-Monaten war die Vorgabe kaum zu erfüllen.

«Ein grosser Aufwand. Es gibt so viele Anbieter und Lieferunterbrüche.»

Irene Zosso
Leiterin Hauswirtschaft
Stiftung Scalottas

Desinfektionsmittel aus Wasser

Die Lösung wäre eine schnelle, einfache Desinfektion, die Menschen und Gegenstände schont. Die Stiftung Scalottas testet deshalb eine Raumverneblung mit dem Desinfektionsmittel Steripol. Dessen Erfinder Bruno und Kurt Zeller sind seit vielen Jahren Experten in der Raumverneblung. Sie haben ein Desinfektionsmittel entwickelt, das aus reinem Trinkwasser und einer geringen Menge Speisesalz besteht und mittels komplexer Elektronik hergestellt wird. «Steripol ist nicht toxisch», erklärt Bruno Zeller. «Es oxidiert pathogene Keime wirksam dank Polarität.» Das Desinfektionsmittel bedient sich des physi­-
ka­lischen Umstands, dass krankmachende Keime wie Viren, Bakterien und Pilze negativ gepolt sind. Das positiv gepolte Steripol zieht die Keime an und oxidiert – sprich «verbrennt» – sie. «Das nichtchemische Verfahren hat viele Vorteile», sagt Zeller. «Es ermöglicht keine Resis­tenzbildung der Keime, ist ­dabei pH-neutral und völlig ungefährlich für Personen. Bei der Verneblung können sie sogar im Raum bleiben, kein Problem.»
 

Von diesen Vorteilen möchte sich auch das Scalottas-Team überzeugen. Für die Raumverneblung wurde der Besucherraum ausgewählt, der nach jeder Nutzung desinfiziert werden muss. Die Gebrüder Zeller rollen das mobile Sprühgerät hinein und Kurt Zeller erklärt Tilo Dörrer die Handhabung. Im Tank wird Steripol mit sauberem Trinkwasser gemischt. «Für ­einen Raum mit 100 Kubikmetern braucht man rund drei Minuten, fünf Deziliter Trinkwasser und fünf ­Deziliter Steripol. Das ist viel ökonomischer, als die Oberflächen von Hand zu desinfizieren.» Das ­Gemisch im Tank wird mit Luft durch eine Düse ­gepresst und entfaltet sich so als feiner Nanonebel im Raum. Kurt Zeller sagt: «Man braucht also nur einen Kompressor in der Nähe, um die Druckflaschen wieder auf­zufüllen.» Jetzt darf gesprüht werden, Kurt Zeller legt los. Feiner Nebel verteilt sich im Raum, es riecht ­angenehm. «Steckdosen, elektronische ­Geräte, Steripol ist da kein Problem», erklärt er und sprüht in ­Richtung der Zimmerpflanze.

«Steripol ist nicht toxisch. Es oxidiert pathogene Keime wirksam dank Polarität.»

Bruno Zeller
Steripol-Erfinder

Überall einsetzbar

Die Demonstration der Verneblung ging etwas länger als ­nötig. Bruno Zeller öffnet das Fenster und lacht: «Zwei, drei Minuten reichen eigentlich schon, denn für einen Kubikmeter braucht es nur zwei Sekunden. Dafür ist jetzt auch die Luft schön desinfiziert.» Das Scalottas-Team ist beeindruckt und schmiedet schon Pläne, wie eine Putzequipe mit dem Gerät durch die Therapieräume und Wohngruppen ziehen könnte. Irene Zosso möchte es genau wissen: «Kann man damit auch Wasser desinfizieren? Also könnte man die Therapiebäder so reinigen?» Bruno Zeller bejaht und betont die Möglichkeiten von ­unschätzbarer Tragweite: «Weil es nicht toxisch ist, lässt sich Steripol überall einsetzen, wo Menschen anwesend sind. Also in Altersheimen, in Spitälern, in der Produktion von ­Nahrungsmitteln. Sogar bei Operationen! Da kann eine ­Verneblung ­Infektionen verhindern.»

«Wir müssten ausrechnen, welche Räume sich lohnen und wie viele Quadratmeter das sind», denkt ­Dorothea Kranz laut nach, während sich der Nebel allmählich auflöst. An den Glasoberflächen, der Zimmerpflanze und auch dem Polstermöbel sind keine Rückstände zu sehen. Alles, was der Nebel berührt hat, ist jetzt keimfrei. Das Zimmer ist bereit für die nächsten ­Besucherinnen und Besucher. Das freut Tilo Dörrer. Man werde in der Kommission besprechen, ob Steripol ins neue Hygienekonzept integriert wird, das gerade entsteht. «Uns ist wichtig, dass wir weiterhin dranbleiben und uns an die Regeln halten», erklärt er.

Vorteile von Steripol

  • Nicht toxisch, kein Gefahrengut
  • Tötet lediglich pathogene (krankmachende) Keime ab
  • pH-neutral, schont Oberfl ächen
  • Hinterlässt keine Rückstände – auch auf Polstern oder Glas
  • Verhindert Resistenzbildung der Keime
  • Kostengünstig, da kleine Mengen ausreichen
  • Vielfältig einsetzbar in Heimen, Spitälern, Nahrungsmittelbereichen etc.

 

Die Stiftung Scalottas nimmt die Herausforderungen mit Humor – zum Beispiel mit einem selbstproduzierten Rapvideo, das auf die Abstandsregeln aufmerksam macht.
 

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier:

 

Bettina Bellmont

Autor: Bettina Bellmont